Merkur ist schuld

Wer morgens nicht aus dem Bett kommt, ist heute nicht faul, sondern „energetisch blockiert“. Schuld ist Merkur. Oder der Mond. Oder ein rückläufiger Saturn mit schlechter Laune. Praktisch: Endlich gibt es jemanden, der verantwortlich ist – und er wohnt sehr, sehr weit weg.

Astrologie verspricht Orientierung. Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und vor allem: Warum habe ich gestern diese wirklich schlechte Entscheidung getroffen? Die Antwort ist nie banal. Es war nicht Unüberlegtheit, Ego oder Bequemlichkeit. Nein, es war das Geburtshoroskop. Man konnte gar nicht anders handeln. Der Kosmos hat gesprochen.

So wird aus persönlicher Verantwortung eine interstellare Fernbeziehung. Entscheidungen trifft man nicht mehr selbst, man „fühlt hinein“. Kündigung? Lieber warten, Venus steht ungünstig. Streit? Mars war aggressiv. Untreue? Tja, typischer Zwilling. Der freie Wille macht derweil Pause – er liest sein Horoskop.

Das Geniale daran: Astrologie irrt nie. Wenn die Vorhersage nicht eintritt, hat man sie falsch verstanden. Oder zu wörtlich genommen. Oder nicht spirituell genug gefühlt. Wissenschaft nennt man das falsifizierbar. Astrologie nennt es Dienstag.

Natürlich bin ich von der Astrologie überzeugt. Problematisch wird es erst, wenn sie plötzlich das Steuer übernimmt für unseren Alltag. Denn wer sein Handeln an die Astrologie delegiert, kann sich bequem zurücklehnen: Verantwortung? War leider gerade im Schützen.

Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Astrologie ist ein Werkzeug, das verantwortungsvoll eingesetzt zu einer bewussten Lebensführung anleitet.

Aber die Planeten zahlen keine Rechnungen, entschuldigen kein schlechtes Verhalten und treffen keine Entscheidungen. Das machen wir schon selbst. Auch ohne kosmische Ausrede. 🌌✨

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